Auf den Kopf gestellt

Heute ist es genau vier Wochen her, seit ein E-Mail mein Autorenleben auf den Kopf gestellt hat. Seit gestern habe ich es schriftlich. Mein erstes Buch hat ein Verlagszuhause gefunden.

Eigentlich war mein Plan zu dem Zeitpunkt ja, den ersten Teil meiner "Leben, Liebe, Rock'n'Roll"-Reihe (Arbeitstitel) irgendwann jetzt als Print on Demand herauszubringen. Auf eigene Faust.
Und ich war wirklich schon weit. Zu dem Zeitpunkt, als die Nachricht in meinem Postfach eintrudelte, war ich gerade damit beschäftigt, den Buchsatz zu kontrollieren. Ich habe das E-Mail gelesen, die Indesign Datei geschlossen und danach keinen Gedanken mehr an das Aussehen des Textes verschwendet.

Das und noch vieles mehr lege ich vertrauensvoll in die Hände anderer.

 

Eigentlich war die Bewerbung bei dem Verlag eine Schnapsidee. Ich hatte im Vorjahr bereits versucht, das Manuskript bei einem Verlag unterzubringen. Die Ablehnung, die obendrein noch von oben herab formuliert war, hat mich dazu gebracht, es eben als Selfpublisher zu versuchen.
Die Kritik, die in dem Ablehnungsschreiben an meiner Geschichte geübt wurde, war bei näherer Betrachtung nicht ganz unberechtigt. Ich bin ja lernfähig. Es dauert nur manchmal, bis ich eine kritische Bemerkung geschluckt habe. In dem Fall musste ich zuerst meine Enttäuschung wegstecken, dass das Manuskript abgelehnt worden war, obwohl die genannten Punkte eher marginal waren.

 

Heuer im Feber habe ich ein Exposé einer anderen Autorin in die Finger bekommen. Das war ein Aha-Erlebnis. So schreibt man das also richtig. (Wie ihr wisst, bin ich neu in dieser Branche.)
Ich beschloss also, auch für mein Manuskript eines zu verfassen, das auch so einen professionellen Eindruck machte. Ein paar Stunden später oder so hatte ich es fertig und war sehr zufrieden mit mir. Automatisch stellte sich die Frage: Jetzt hast du so ein tolles Exposé verfasst, solltest du es nicht auch verschicken?

An dieser Stelle habe ich wirklich nicht lange nachgedacht, mich auf die Website eines sympathischen Verlags begeben, mir kurz angesehen, ob eine digitale Einsendung eines Manuskripts möglich ist, schnell die angegebenen Schritte erledigt, abgeschickt, schlafen gegangen. Erwartungen: Null.
Am nächsten Morgen widmete ich mich mit vollem Elan den Vorbereitungen für die Herausgabe im Eigenverlag.

 

Das E-Mail, das mich vor vier Wochen erreichte, war das genaue Gegenteil meiner ersten Rückmeldung von einem Verlag. Die Anrede war sehr persönlich, die Formulierungen freundlich und wertschätzend. Der Inhalt selbst: überwältigend. Ich glaube, ich habe erst mal eine Stunde lang geheult.
Gleichzeitig kamen die Zweifel. Was machen die mit meinem Baby, wenn ich das Angebot annehme? Wie viel werden sie verändern? Werde ich lieb gewonnene Szenen opfern müssen? Und was ist mit dem Cover, das ich bereits erstellen lassen habe?

Mein Mann sagte an der Stelle ungefähr: "Du nimmst das Angebot jetzt einfach an und alles andere siehst du dann schon!" (Habe ich übrigens erwähnt, dass er mich seit dem 9. April um ca. 11:30 Uhr als Autorin ernst nimmt?)

 

Genauso war es dann. In den nächsten Tagen habe ich mir den Kopf zermartert, schließlich aber einfach losgelassen und das Großartige, das mir da passiert ist, angenommen. Unterm Strich ist es ein Etappensieg, den mir niemand mehr nehmen kann.

Vielleicht wird das endgültige Cover nicht zu hundert Prozent meinen Vorstellungen entsprechen. (Vielleicht wird es auch schöner?)

Vielleicht muss ich Textstellen ändern. (Wer sagt, dass sie dadurch nicht besser werden?)

Vielleicht muss ich im Laufe der Überarbeitung Kritik einstecken, die mir nicht gefällt. (Daraus kann ich aber bestimmt etwas lernen – wenn ich sie erst verdaut habe zumindest.)

Vielleicht ändert der Verlag den Titel? (Okay, da blutet mein Herz ein bisschen.)

Aber – Hey! – ein renommierter deutscher Verlag nimmt mich in die Riege seiner Autoren auf. Das ist … BANG!*

 

Inzwischen hat sich die Euphorie ein wenig gelegt. Gestern habe ich mich durch den mehrseitigen Vertrag gequält – schließlich wollte ich wissen, was ich da eigentlich unterschreibe. Irgendwann demnächst muss ich wieder Arbeit in einen Text stecken, der doch aus meiner Sicht schon fertig war. 

Das ändert aber alles nichts an dem Erfolgserlebnis, an den kleinen Triumph, den mir keiner mehr nehmen kann.

Um es mit Mark Forster zu sagen, der ja mit "Einmal" einen wunderbaren Song über Momente, die es nur einmal im Leben gibt, geschrieben hat:

"Ich war da zum Glück."

 

* Das ist übrigens ein Insiderwitz vom letzten Göteborgtrip mit einer der weltbesten Freundinnen

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© Pia Christina Prenner 2020