abgesagt

Die Absage der Leipziger Buchmesse ist in aller Munde. Auch mich trifft sie finanziell – wenn auch in weit geringerem Rahmen als viele andere. Einen Tag lang hat sie mich furchtbar geärgert. Doch aufgrund der neuesten – persönlichen – Entwicklungen, bin ich sehr erleichtert darüber.

Hätte die Buchmesse stattgefunden, hätte ich sie wahrscheinlich gleich nach meinem ersten Termin wieder verlassen.

 

Ich bin von meinem Verlag total enttäuscht und wirklich sauer wegen der Vorgehensweise. Geahnt habe ich schon lange, dass sie nicht die ganze "Leben, Liebe, Rock'n'Roll" Serie veröffentlichen wollen, aber trotz mehrmaligem Nachfragen wurde ich bis zur endgültigen Absage 10 Monate lang vertröstet. Dank der Absage der Buchmesse kam sie nun schriftlich und nicht in Form eines persönlichen Gesprächs gleich nach meinem Eintreffen dort.

Hätte ich die Absage früher bekommen, könnte ich inzwischen beide Folgebände für die Veröffentlichung fertig haben – und hätte den Veröffentlichungsrhythmus einhalten können, den ich ursprünglich geplant hatte. Nun stehe ich da mit einem ersten Band, der meiner Meinung nach völlig falsch platziert wurde. – Kein Wunder, dass die Verkaufszahlen nicht passen. "Geschenkbücher für Mütter"? Was ist denn das bitte für eine Kategorie für einen Roman um einen Musiker aus einer Rockband? Und das Cover ist zwar ganz hübsch, passt aber einfach nicht. Den Titel habe ich passend gemacht, um meinen alten tut es mir bis heute leid.

 

Dumm gelaufen, oder?

 

Klassischer Anfängerfehler, sich so über den ersten Verlagsvertrag zu freuen, dass man die Entscheidungen des Teams nicht hinterfragt, sie für allwissend hält, ihnen blind vertraut, dass sie das Richtige tun.

Wie so viele in dieser Branche zahle ich Lehrgeld. In meinem Fall aber nicht in Form einer greifbaren Währung. Nerven, Zeit, Lebensqualität, all das hat mich das letzte Jahr gekostet. Und jetzt muss ich auch noch meinen "inneren Monk" überlisten, damit er sich damit abfindet, dass meine Buchserie nicht nach einer Serie aussehen wird. Auch das ist vermutlich ein Fehler, aber einer, den ich bewusst mache. Ich kehre zu der Linie zurück, die ich selber für meine Bücher wollte. Das Erste passt nicht dazu – für die nächsten neun Jahre, bis der Vertrag ausläuft. Mein Mann meinte gestern, ich könnte dann anlässlich meines 50ers die Serie mit neuen, einheitlichen Covers herausbringen.

Vielleicht mache ich das auch.

Aber jetzt steuere ich erstmal auf meinen 40er zu, fühle mich wie eine ahnungslose 20-Jährige und versuche einen Selfpublishing Neustart.

 

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht auf einmal der Meinung, dass Verlage grundsätzlich schlecht sind. Fest steht für mich allerdings, dass ich diese Serie ganz sicher keinem Verlag mehr anbiete und auch bei weiteren werde ich in Zukunft sehr vorsichtig sein. Bei abgeschlossenen Einzelbänden sehe ich das anders.

Für mich heißt es jetzt jedenfalls: Zurück dorthin, wo ich vor einem Jahr um die Zeit war. An den Laptop und selber machen.

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© Pia Christina Prenner 2020