Doing it yourself

Ich bin frustriert.

Das nur als Vorwarnung, falls du keine Lust hast, so etwas zu lesen.

 

Ein Buch eigenständig zu veröffentlichen, verlangt dir eine Menge ab. Selfpublishing ist die reinste Achterbahnfahrt – mit so mancher Höhe, aber auch vielen Tiefen.

Gerade befinde ich mich ziemlich weit unten. 

 

Gestern habe ich auf jede einzelne Bitte um Hilfe oder Feedback in irgendeiner Form eine patzige Antwort bekommen. Selbst wenn dann doch noch etwas dabei war, das mir am Ende dabei geholfen hat, das Problem zu lösen, so blieb doch unterm Strich vor allem eines zurück: Als Selfpublisher bist du in erster Linie eines – nämlich alleine.

 

Das ist eine Tatsache, an der sich leider nicht rütteln lässt. Du selber bist die einzige Person, die dein Buch wirklich interessiert. Es kommt aus deinem Herzen und deshalb hängt genau dein Herz daran. Andere mögen deine Geschichte vielleicht, freuen sich darüber, sie lesen zu können – vielleicht sogar vorab, weil ihre Neugier derart groß ist. Aber im Grunde kümmert es keinen, ob du das Buch veröffentlichst oder nicht. Das ist ganz alleine deine Sache.

 

Nun habe ich grundsätzlich kein Problem damit, alleine zu arbeiten. Ich bin seit zehn Jahren Einzelunternehmerin, ich bin es gewöhnt, die meiste Zeit alleine vor dem Computer zu sitzen und mit Kunden und Grafikern hauptsächlich telefonisch oder per E-Mail zu kommunizieren. Aber das hier ist anders.

Der große Unterschied: Die anderen haben genauso sehr ein Interesse daran, dass es gut wird, wie du.

 

Man könnte Selfpublishing theoretisch so gestalten wie die Arbeit an einer Website. Du könntest als Autor zusammen mit anderen ein Team bilden. Es predigt dir ja jeder, dass du ein Buch nie, nie, niemals ohne professionelles Lektorat oder Korrektorat veröffentlichen sollst. Aber genau hier liegt die Crux.

 

Da bist du, ganz am Anfang deiner Tätigkeit als Autor, hast keine Ahnung, ob jemals irgendjemand das, was du da geschrieben hast lesen will oder gar am Ende für gut befinden wird. Aber du sollst eine Menge Geld in die Hand nehmen, um das überhaupt einmal herauszufinden.

Mal ehrlich – wer kann sich das leisten?

 

Es ist ja nicht so, als wäre ich nicht bereit, Geld zu investieren. Ich habe mir ein professionelles Schreibprogramm gekauft, ebenso diverse andere Software zum Bearbeiten von Bildern (die Ansprüche an deinen Instagram Feed sind schließlich auch hoch) und für den Buchsatz. All diese Programme nützen mir auch etwas in meinem normalen Berufsleben, daher war die Entscheidung für den Kauf leichter. Aber ich verfüge schlicht und einfach nicht über die finanziellen Mittel, in ein Hobby Unsummen zu investieren, die nicht wiederkommen. – Genau davon muss ich realistischerweise ausgehen. Ich kann nicht erwarten, dass die Welt mein Werk so toll findet, dass es die Kosten mühelos hereinspielt. Und ich will ja auch gar nicht reich damit werden, sondern einfach eine Balance finden, wie die Schriftstellerei für mich machbar ist.

 

Was bleibt mir also anderes übrig, als anstelle von Geld Zeit zu investieren? Sehr viel Zeit. Ich schlage mir die Nächte um die Ohren, die Wäsche bleibt liegen, unser Haus gehört dringend einmal geputzt.

Und dann gibt es Momente, wo einfach nichts klappt. Du hängst mitten in der Überarbeitung, stehst an, weißt nicht weiter, bekommst unfreundliche Antworten, ärgerst dich, alles wächst dir über den Kopf und du würdest am liebsten den Hut drauf schmeißen.

 

Aber da sind auch noch, die zwei Rückmeldungen, die du in der vergangenen Woche von Leserinnen bekommen hast, die deine Bücher lieben und dir raten, dass du unbedingt weitermachen sollst. Und daran zehrst du, weil die Leserstimmen es doch sind, worauf es am Ende ankommt.

Also tigerst du dich hinein, bleibst schon wieder viel zu lange auf, suchst hilfreiche Videos, eignest dir noch eine neue Fähigkeit an, kämpfst dich Stück für Stück voran. Fest angeschnallt sitzt du in deiner Achterbahn, die unerbittlich hinauf und hinunter fährt. Aussteigen unmöglich, denn du hast doch schon so viel geschafft, der Rest geht bestimmt auch noch irgendwie.

 

Du musst schon ziemlich verrückt sein, um dich ernsthaft an Selfpublishing heranzuwagen. Aber es nicht zu versuchen, ist irgendwie auch keine Option.

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Pia Christina Prenner – schreiben@piachristinaprenner.at