Essstörungen

Im Klappentext von "Zimtschneckenjahre" heißt es:

 

Als Lea Ben plötzlich gegenübersteht, ist sie schockiert, wie sehr der sich verändert hat, Ben ist abgemagert und ungepflegt.

 

Ein Wiedersehen mit ihrer großen Liebe hat Lea sich eigentlich ganz anders ausgemalt. Sie hat sich zwar auch diverse Schreckensszenarien zurechtgelegt, aber in allen war Ben so, wie sie ihn aus ihrer gemeinsamen Zeit in Erinnerung hatte.

Auch in früheren Versionen der Geschichte war Ben beim Wiedersehen noch der sexy Typ, in den Lea sich 10 Jahre zuvor verliebt hatte. Dass sich das im Laufe meiner Arbeit an dem Manuskript verändert hat, lag an einem Buch, das ich in dieser Zeit gelesen habe: "Zur Strafe verhungere ich jetzt".

 

Autorin dieser autobiografischen Geschichte ist Alexandra Schleischitz. Im Gegensatz zu meinem Buch ist ihres keine Fiktion. Sie beschreibt darin ganz offen, wie sie in ihrer Jugend an Magersucht und später an Bulimie erkrankte – aber auch, wie sie die Essstörungen erfolgreich überwinden konnte.

Das Buch ist schonungslos ehrlich und an mehr als einer Stelle musste ich mir ins Bewusstsein rufen, dass ich doch weiß, dass die Geschichte am Ende gut ausgehen muss, weil ich Alexandra kenne und sie das alles ja nicht mehr aufschreiben hätte können, wenn der Suizidversuch erfolgreich gewesen wäre. Ich glaube, eine der schlimmsten Stellen war für mich die, an der sie zum ersten Mal erwähnt, wie alt sie zu dem Zeitpunkt war.

 

Bis ich Alexandras Geschichte gelesen habe, war Magersucht für mich nur ein Wort, etwas, das ich in erster Linie mit Models assoziiert habe, die aus beruflichen Gründen dünn sein wollen. Ja natürlich ist das krankhaft. Aber was heißt das schon? Was ist krank? Der Körper? Der Geist? Der gesunde Menschenverstand?

"Zur Strafe verhungere ich jetzt" hat meine Sichtweise verändert.

 

Das Thema hat mich so beschäftigt, dass es schließlich Eingang in mein Manuskript fand. Denn durch die Auseinandersetzung damit wurde mir bewusst, dass mein Ben genau der Typ ist, der sich für seine Fehler auf irgendeine Art selbst bestrafen will. Die klassischen Laster eines Rockstars wären ja eigentlich Alkohol und Drogen, aber das passte irgendwie gar nicht zu ihm. Ich wollte auch nicht einfach ein Klischee bedienen, sondern einen lebendigen Charakter erschaffen.

Mit dem Aspekt der Magersucht kam gleichzeitig ein neuer dazu, nämlich die Frage, die zu Beginn zwischen Ben und Lea steht:

Wer trägt die Schuld für das, was in den vergangenen sieben Jahren passiert ist?

 

Ps: Übrigens trägt Alex Mitschuld daran, dass ich mit "Zimtschneckenjahre" überhaupt begonnen habe. Irgendwann standen wir vor ihrem Haus am Parkplatz und sie erzählte mir, sie hätte in der Karenz ein Buch geschrieben. Mein erster Gedanke dazu war: "Hey, das könnte ich eigentlich auch machen." Das Ergebnis erscheint am 4.11.2019 bei Piper.

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Pia Christina Prenner – schreiben@piachristinaprenner.at