Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Gerade habe ich meinen letzten Blogeintrag gelesen und mich selber ein wenig darüber gewundert, wie deutlich ich darin meinem Ärger Ausdruck verliehen habe. Inzwischen sind drei Wochen vergangen und die Welt sieht in vieler Hinsicht ganz anders aus. Und das liegt nicht nur daran, dass das Corona-Virus die Welt, wie wir sie kennen, wahrscheinlich für immer verändert hat.

 

Die Absage der Leipziger Buchmesse war aus meiner Sicht nur das erste Ereignis von einer ganzen Reihe, die mich ziemlich durcheinandergewürfelt hat. Aber so oder so ähnlich geht es derzeit wahrscheinlich den meisten Menschen auf diesem Planeten.

Konkret war es bei mir die Absage der Messe, die Absage des Verlags, die Zusage einer neuen Lektorin, ein Angebot meiner alten Lektorin, das mein Ego gestreichelt hat, die Unterstützung meiner Cover-Designerin, die Absage des Leipzigurlaubs quasi in letzter Minute verbunden mit enormen Stornokosten, Absage des Schikurses meines Sohnes, die de facto Ausgangssperre, plötzlich Homeoffice + Homeschooling + Homekindergarten, Fertigstellung eines Testbuches, Suche nach einem zahnärztlichen Notdienst, Erhalt des Testbuches, verliebt in das Testbuch und inzwischen insgesamt ein gewisses Gefühl von Normalität.

Ihr seht, es fließt gerade alles ineinander und es fließt bergauf und bergab.

 

Vielleicht liegt es doch auch am Coronavirus, dass ich die Sache mit dem Verlag mittlerweile total entspannt sehe. Weil Verkaufszahlen zu einem wirklich unwichtigen Faktor geworden sind. Viel wichtiger ist es, mir selbst treu zu bleiben.

Nichts wäre schlimmer für meine Familie, als eine Mama, die total unrund ist, während wir hier in unseren eigenen vier Wänden mehr oder weniger eingesperrt sind. Das hilft total bei der Frage, wie man seine Prioritäten setzen soll. Ich muss bei meinen Entscheidungen meinem Bauchgefühl folgen, denn nur dann bin ich entspannt genug, um diese Ausnahmesituation zu bewältigen. Vielleicht werde ich das in Zukunft zu meiner Taktik machen und mich immer fragen, ob ich mit dieser Entscheidung wochenlang mit meiner Familie eingesperrt sein könnte, ohne mein Unwohlsein an ihnen auszulassen.

 

Was heißt das jetzt konkret?

Das Selfpublishing ist auf Schiene. Ich habe mich entschieden, der Linie des Verlags nicht zu folgen, sondern zu meiner ursprünglichen zurückzukehren. Im Mai wird der Text von Band 2 end-überarbeitet. Für den Buchsatz ist alles vorbereitet, was ohne fertigen Text geht. Auch das Cover braucht nur noch technisch bedingte Änderungen. Wenn alles gut geht, werde ich die Fortsetzung von "Zimtschneckenjahre" im Juli veröffentlichen. Band 3 kann ich bis Oktober schaffen, so einen konkreten Zeitplan wie für Band 2 gibt es aber noch nicht.

Nicht ganz unwesentlich beim Selfpublishing: Auch die Finanzierung steht.

Und ganz wesentlich: Ich fühle mich mit dieser Vorgehensweise wohl wie schon lange nicht.

 

Wir leben gerade in einer seltsamen Zeit, in der Realität und Fiktion auf skurrile Art verschwimmen und keiner weiß, wie das Ganze ausgehen wird. Aber die Zeit ist trotzdem nicht per se schlecht. Es ist vielmehr eine Frage der Perspektive, denn aus dem richtigen Blickwinkel lässt sich selbst im Schlechtesten auch etwas Gutes erkennen.

Comments powered by CComment

Pia Christina Prenner – schreiben@piachristinaprenner.at