Schmetterlinge im Bauch

Dieses Gefühl möchte ich bitte gerne behalten. Ein Marmeladenglasgefühl sozusagen. Glas auf, Gefühl rein, Deckel wieder drauf. Ich bin verliebt in das, was gerade passiert. So kann es bleiben. Danke!

 

Ich hatte ja wirklich absolut keine Ahnung, was mich erwartet, als ich den Verlagsvertrag unterschrieben habe. Im Affekt gehe ich immer vom Schlimmsten aus, in jeder Lebenssituation. Das ist wohl eine Form von Selbstschutz. Wenn ich damit rechne, dass es ganz, ganz furchtbar wird, dann kann ich eigentlich gar nicht enttäuscht werden.

Meine Erwartungen an den Verlag waren also irgendwo bei: Sie werden mein Buch schon nicht kaputtmachen. Und selbst wenn, habe ich immer noch die Version, die ich gerade selber veröffentlichen wollte. Die kann mir keiner mehr nehmen.

 

Gestern hatte das Warten auf die Sprachredaktion ein Ende. Mir war im Vorfeld nicht ganz klar, ob dabei auch noch etwas am Plot verändert wird. Eine liebe Kollegin – wir dürfen uns Kolleginnen nennen, seit wir innerhalb weniger Wochen beide beim selben Verlag unterschrieben haben – durchläuft gerade die Plotredaktion für ihr Werk. Da wurde nicht dramatisch geändert, aber doch mal hier vertieft und dort gestrafft, Unstimmigkeiten ausgebessert, an den Charakteren gefeilt. Dementsprechend neugierig war ich, was in dieser Hinsicht auf mich zukommen würde.

Und dann war da ja noch die Frage der Sprache.

Eine meiner größten Sorgen – wenn nicht sogar DIE größte – war, dass man mir mein Österreichisch nehmen würde, damit das Buch in den deutschen Markt passt. Nun schreibe ich zwar tendenziell ein gepflegtes Hochdeutsch, aber eben ein eher österreichisches. Und gewisse Ausdrücke … nun ja … Da gibt es gleich im Prolog die eine Stelle, wo mir völlig klar war, dass sich das in den Ohren einer norddeutschen Leserin seltsam anhören würde.

Kurz: Ich hatte echt Angst davor, dass das fertige Buch nicht mehr nach mir klingen könnte.

 

Ich sollte noch erwähnen, dass ich das Manuskript seit ich das Angebot vom Verlag bekommen habe, nur noch geöffnet habe, um es entsprechend der Vorgabe abzuspeichern. Das heißt, ich habe gute zwei Monate nicht einen einzigen Blick hinein geworfen und mich auch sonst nicht damit auseinandergesetzt. (In der Zwischenzeit habe ich Band 3 fertig geschrieben und als Zeitvertreib noch eine ganz neue Geschichte, zu der ich eines Morgens im Halbschlaf die Idee hatte.)

Ich habe Lea und Ben absichtlich links liegen gelassen, um mich nicht in den Text zu verbeißen, sondern die vorgeschlagenen Änderungen einfach auf mich zukommen zu lassen. Gestern das Manuskript zum ersten Mal wieder zu öffnen, war also eine ziemlich aufregende Angelegenheit.

Und dann springen mich als Erstes ungefähr 7000 markierte Überarbeitungen oder Kommentare der Redakteurin an. Ufff …

 

Ich glaube, ich habe wirklich zuerst einmal gestöhnt. Bei näherer Betrachtung relativiert sich die Zahl aber, weil da jedes Leerzeichen, das gelöscht wurde, mitzählt und manche Änderungen mit einem Kommentar zusammenhängen und veränderte Satzstellungen gleich als mehrere Änderungen dokumentiert werden etc.

Meine Beschäftigung für den gestrigen Abend war: Das Dokument einmal von vorne bis hinten durchscrollen, alle Kommentare lesen und darauf achten, wo größere Textteile entfernt wurden.

Das Fazit: Ich kann damit leben. Also bis auf ein paar wenige Dinge, die mir als Österreicherin wirklich wehtun, aber über die kann man zum Glück noch reden. Und die Sache mit den Türen (bei der ich eigentlich eh wusste, dass sie ein bisschen unlogisch ist). Sonst? Alles da. Keine Lieblingsstellen weggekürzt. Keine gröberen Ungereimtheiten im Plot aufgespürt. Keine Lücken aufgedeckt. Natürlich gibt's ein paar Kleinigkeiten, die zu viel, zu wenig oder verbesserungswürdig sind. Aber absolut nichts, was mir wehtut.

Das war der Punkt, an dem ich zum ersten Mal richtig stolz auf mich war.

 

Heute habe ich die meiste Zeit des Tages damit verbracht, mich intensiv mit den Überarbeitungen auseinanderzusetzen. Und wisst ihr was? Das fühlt sich einfach nur gut an.

Ich hätte echt nicht damit gerechnet, dass ich mit Schmetterlingen im Bauch an meinem Laptop sitzen würde, weil es so großen Spaß macht, den Text in seiner neuen Form zu lesen, noch einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich wusste immer, dass ich es liebe zu schreiben und ich mag auch das Überarbeiten total gern. Aber jetzt hat es eine ganz neue Dimension angenommen. Ich bin echt verliebt. In meine Arbeit verliebt.

Konfuzius sagt: "Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag im Leben mehr zu arbeiten."

Bitte, ich hätte mich jetzt für einen entschieden. 

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Pia Christina Prenner – schreiben@piachristinaprenner.at