Tag X von Y

Wie geht es euch so an Tag X von Y? Welcher Wochentag gerade ist, weiß ich schon lange nicht mehr, inzwischen habe ich auch den Überblick verloren, wie viele Wochen wir schon zuhause verbringen oder welches Datum wir haben. Mein Gehirn ist nur mehr eingeschränkt einsetzbar.

Einen neuen Roman schreiben? Undenkbar! Ich bin nicht einmal sicher, ob bei diesem Versuch, einen Blogeintrag zu verfassen, etwas Brauchbares herauskommen wird.

 

Schreiben ist derzeit aus mehreren Gründen schwer.

Das Hauptproblem ist, dass alle zehn Minuten jemand "Mama!" ruft. Okay, vielleicht nicht alle zehn Minuten, aber definitiv zehn Minuten, nachdem ich mich an den Computer gesetzt habe. So lange brauche ich aber schon alleine, um mich in einem Manuskript zu orientieren, was ich zuletzt geschrieben habe und wie es weitergehen soll. Mehr als ein oder zwei Sätze würden sich da kaum ausgehen.

Jetzt am Abend ist es zwar still im Haus, aber ich bin viel zu müde, um noch eine Schreibsession zu starten. Auch Lesen ist extrem mühsam. Als das alles losging, dachte ich noch, ich würde in den nächsten Wochen ein Buch nach dem anderen lesen. Weit gefehlt.

Meine Kapazitäten reichen ja nicht einmal richtig zum Denken. Normalerweise laufen in meinem Kopf andauernd Geschichten ab. Besonders, wenn ich eigentlich schlafen sollte, halte ich mich selber damit wach, dass ich mir Szenen ausmale, mir Dialoge ausdenke, mich in meine Protagonisten hinein fühle. Derzeit komme ich nicht über die Vorstellung eines Settings hinaus. Aber nicht etwa, weil ich sofort einschlafe, sondern weil meine Gedanken abdriften. Es sind einfach zu viele Dinge, die in den letzten Wochen einen Platz auf meiner (bis jetzt noch) imaginären To-do-Liste einfordern.

 

Ich will mich aber gar nicht darüber beschweren. Eigentlich ist es für mich sogar ganz okay, dass mein Kopf bei Geschichten derzeit so blockiert. Eigentlich hat Corona diese Zwangspause sogar ganz gut eingerichtet. Denn eigentlich weiß ich im Moment ohnehin nicht, wohin mich die Schreiberei führen soll.

 

Seit klar ist, dass mein Verlag keine weiteren Bücher von mir herausbringen wird, habe ich mir viele Gedanken über mein Leben als Autorin gemacht. Da kommen Fragen auf wie: Für wen schreibe ich eigentlich? Muss ich meine Manuskripte unbedingt veröffentlichen? Will ich Geld damit verdienen? Will ich irgendwann davon leben können? Ist das alles nur ein Zeitvertreib? Zahlt es sich aus, Geld und Nerven zu investieren? Brauche bzw. will ich einen Verlag?

Ich gebe zu, ich komme nicht so richtig auf einen grünen Zweig. Ich bin immer noch hin und her gerissen zwischen der Freude über die totale Kontrolle, die ich im Selfpublishing habe, und der Hoffnung, dass irgendwo da draußen doch ein Verlag existiert, mit dem eine Zusammenarbeit nach meinen Vorstellungen möglich ist. Aktuell liegen noch ein paar Manuskripte, die ich schon vor längerer Zeit eingesendet habe, bei Lektoren und ich weiß nicht, ob ich auf eine Ab- oder Zusage hoffen soll. Irgendwie würde ich schon gerne noch einmal mit einem Verlag arbeiten, aber andererseits habe ich auch meinen Stolz und so eine Behandlung, wie ich sie erlebt habe, wirklich nicht nötig. Trotzdem war das ja nicht durchgehend eine schlechte Erfahrung, sondern zwischendurch sogar richtig, richtig gut.

Es ist kompliziert.

Und weil es das ist, weiß ich auch nicht, wie ich mit meinen aktuellen Schreibprojekten weitermachen soll. Mein Projekt vom Jahresbeginn hat das Potenzial zu einer Serie, wäre aber eigentlich auch als Einzelband schön. Je nachdem, was es wird, müsste ich entweder weiterschreiben oder umschreiben, denn bei einem Einzelband müssten natürlich alle Handlungsstränge abgeschlossen sein, was sie aktuell nicht sind.

Auch das ist kompliziert.

Und gerade deshalb ist der erzwungene Stillstand im Moment gut, denn ich komme gar nicht dazu, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, wie ich weitermachen soll. Ich weiß mit Sicherheit, dass ich noch diesen Sommer Band 2 und Band 3 der "Leben, Liebe, Rock'n'Roll"-Reihe herausbringe. Wie es danach weitergeht, wird sich zeigen, irgendwann, ziemlich sicher erst nach dieser Corona-Sache (wie meine Tochter die aktuelle Situation nennt).

Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, danach noch weitere Bücher zu veröffentlichen. Also wozu dann welche schreiben?

Fragen über Fragen.

Aber ich bin zuversichtlich, dass die Zeit sie beantworten wird. Irgendwann.

Vielleicht ja am Tag Y von Y. 

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© Pia Christina Prenner 2020