Erste Lesung

Was war ich im Vorfeld nervös …

Und wie froh war ich über den Schmäh mit der "1. Lesung" in der Anmoderation, denn der hat meine Anspannung deutlich gelockert.

Hey, ich habe es überstanden und das Feedback war positiv und es hat wirklich Spaß gemacht: meine erste Autorenlesung.

 

Ich habe mich wochenlang um eine eindeutige Antwort auf die Frage "Machst du auch eine Lesung?" herumgedrückt, weil ich richtig, richtig große Angst davor hatte. Dabei habe ich sogar eigens einen Sprecherkurs besucht, um meinen inneren Schweinehund niederzuringen. Und trotzdem konnte ich mich nicht dazu durchringen, aktiv eine Lesung zu planen – bis ich dazu eingeladen wurde. Ich musste nur zustimmen, dann entwickelte das Ganze ein Eigenleben und ich konnte mich nicht mehr davor drücken. Wahrscheinlich war es genau so etwas, was ich gebraucht habe, eine Initiative von Außen, gegen die ich mich nicht wehren kann.

Innerhalb von wenigen Tagen wurde alles auf die Beine gestellt. Ich habe jetzt sogar sowas wie einen Pressesprecher und war in den letzten zwei Wochen in drei lokalen Zeitungen. Derzeit schlendere ich eher selten über den lokalen Weihnachtsmarkt, ohne dass mich jemand auf mein Buch anredet.

Aber das ist ja nur eine Seite. Die andere ist, dass ich die Lesung selbst vorbereiten und durchziehen musste. Und dabei gab es etliche Unsicherheitsfaktoren.

Es fängt an mit der Frage aller Fragen: Was lese ich? Ihr folgt noch ein ganzer Schwanz von Details: Wie lange? Soll es zusammenhängen? Verstehen die Zuhörer den Zusammenhang, wenn ich vorgreife? Was muss ich dazwischen alles erklären, damit sie mitkommen?

 

Nachdem ich mir über all das eine Zeit lang das Hirn zermartert und mit anderen Autorinnen gesprochen hatte, habe ich meine Strategie zurechtgelegt: Ich stelle die wichtigsten Charaktere anhand einer der ersten Stellen, in denen sie vorkommen, vor.

Nach ein bisschen Herumprobieren ergab sich daraus ein ganz guter Plan: Prolog zur Eröffnung und Vorstellung der Protagonistin. Drei weitere Passagen, anhand derer ich die wichtigsten Nebenfiguren herzeigen und als Überleitung ein bisschen etwas über den Aufbau des Buches, den Titel und die Entstehung erzählen kann. Zum Abschluss zwei aufeinanderfolgende Kapitel, von dem Punkt, wo die Geschichte so richtig losgeht, weil der Prota- und der (wenn man ihn so nennen will) Antagonist ihren Auftritt haben. Ende dort, wo es so richtig losgeht.

 

Nun stand Probelesen auf dem Programm.

Einerseits ging es dabei um die Zeitmessung. Mit ca. 30 Minuten war ich ganz gut dabei.

Andererseits um die Frage: Wie lese ich? Lese ich deutlich genug? Langsam genug? Laut genug?

An dieser Stelle bekommt man häufig den Tipp, sich selber beim Lesen zu filmen, aber das wollte ich absolut nicht. Stattdessen habe ich mich einfach auf das konzentriert, was ich im Sprecherkurs gelernt habe, auf die wichtigsten Tipps, die ich dort bekommen habe. Ich wusste ohnehin, wenn ich alles perfekt machen will, klappt das nie im Leben. Ich muss mich einfach auf das konzentrieren, was in der kurzen Zeit möglich ist.

 

Tja, und dann war der große Tag da und ich mit den Nerven am Ende. Meine Familie hatte in den Stunden davor ordentlich unter meiner Nervosität zu leiden. Aber Zurück gab es auch keines mehr. Und irgendwann saß ich da, vor meinem ersten Publikum, das in der Größe genau richtig ausgefallen war, und wurde vom Vereinsobmann vorgestellt.

Und dann?

Es lief einfach und mit der Zeit wurde ich immer lockerer und dann hat es echt Spaß gemacht. Sehr geholfen hat, dass ich in diesem Rahmen spontan zwei Co-Leser einteilen konnte, mit denen ich Teile des Textes mit verteilten Rollen lesen durfte. Das Publikum hörte aufmerksam zu und schmunzelte an den richtigen Stellen. Aus meiner Sicht lief es wirklich gut. Beim Signieren der Bücher hatte ich am Ende noch meinen kleinen Promi-Moment.

Aber das Wichtigste war für mich, dass mir alle versichert haben, die Lesung hat ihnen Lust auf das Buch gemacht. So soll es sein. Mission erfüllt. Und beim nächsten Mal werde ich zwar ein paar Kleinigkeiten anders machen, aber im Vorfeld nicht mehr die Nerven wegschmeißen.

 

Hier habe ich noch ein paar Eindrücke von der Veranstaltung für euch:

(© Petra Geiger-Kletzl, Weltladen Eisenstadt)

 

Ps: Eines habe ich noch vergessen: Ich bin eine Frau, also hat mich natürlich auch die Frage beschäftigt, was ich anziehen soll. Man beachte bitte, dass mein Kleid fast dieselbe Farbe hat wie mein Buchcover.

 

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