Wörterbuch vs. Duden

Wer hat Recht, wenn es darum geht, was "richtig" ist – das österreichische Wörterbuch oder der Duden?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten – oder eigentlich gar nicht. Aber sie spielt eine große Rolle, insbesondere, wenn du als österreichische Autorin im gesamten deutschen Sprachraum punkten willst.

 

Als ich den Vertrag bei Piper Digital unterschrieben habe, war meine größte Angst, mein Text könnte so sehr für den deutschen Markt angepasst werden, dass ich ihn am Ende nicht mehr als meinen eigenen erkennen würde. Mehr als 7000 dokumentierte Kommentare und Änderungen in meinem Manuskript waren im ersten Moment ein Schock, aber bei genauem Hinsehen stellte sich vieles gar nicht als Eingriff in meinen Text heraus. Wie zum Beispiel bei dem Begriff "Ringelspiel".

An dieser Stelle hat die Redakteurin folgenden Kommentar eingefügt:

Da bin ich mir sicher, das 85% der deutschen Leser nicht verstehen, was das ist. Ich würde es aber trotzdem lassen, weil es ein so schönes Wort ist, und ich finde, dass man hier gar nicht unbedingt genau wissen muss, was gemeint ist.

Hand hoch – wer weiß, was ein Ringelspiel ist?

Mir ist bei der Bezeichnung ehrlich gesagt nie auch nur der Gedanken kommen, das könnte man in Deutschland nicht verstehen oder anders interpretieren. Bei anderen Begriffen ist mir das völlig klar.

Meine Schwägerin und ich mussten kürzlich beim Elternabend über die Bezeichnung "Stuhldienst" bei den Aufgaben der Kinder herzlich lachen. Als gelernte Österreicherinnen hat sich da bei uns beiden – insbesondere in einem Kindergarten – ein ganz eigenes Bild eingestellt, das ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte. Die Pädagogin meinte dazu, im alltäglichen Sprachgebrauch würden sie "Sesseldienst" sagen, aber für die Kärtchen hätten sie fertige Vorlagen verwendet.

 

Der gelernte Deutsche stellt sich unter einem Sessel etwas anderes vor als der Österreicher und nicht immer ist es egal, welche der beiden Sitzgelegenheiten man vor seinem geistigen Auge sieht.

Weitere Klassiker sind Kasten vs. Schrank, Stiege vs. Treppe und natürlich Polster vs. Kissen. Wie die Deutschen zum Nachtkästchen sagen, ist mir immer noch nicht ganz klar. Auch hier war mir tatsächlich nicht bewusst, dass ich einen österreichischen Ausdruck verwende. (Es ist Nachttisch, oder?)

Der größte Teil meines Sprachlektorats bestand darin, den Text zu glätten, wie das die Lektorin bezeichnet hat – ihn also so zu gestalten, dass er für die gesamte Zielgruppe gut zu lesen ist. An manchen Stellen war das gar nicht so einfach.

 

Übrigens habe ich kürzlich eine Verlagskollegin zu einem Satz befragt, ob sie da einen Beistrich setzen würde. Zurück kam die Frage, was ein Beistrich sei. Ein Anführungszeichen vielleicht? Nein.

Wer weiß es?

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Pia Christina Prenner – schreiben@piachristinaprenner.at