Don't judge a book by its cover

Als ich meinen Verlagsvertrag unterschrieben habe, war eine meiner größten Sorgen das Cover. Denn mal ganz ehrlich: Wer schaut bei einem Buch NICHT zuerst auf die Optik?

Keiner, oder?

Deshalb wollte ich unbedingt, dass mein Cover wirklich zur Geschichte passt. Der erste Entwurf war aber ein kleiner Schock.

 

Im Wesentlichen waren es zwei Dinge, die mir bei der Gestaltung wichtig waren: die Farben und die Motive im Hintergrund. (Die Art der Gestaltung war bereits im Coverbriefing abgeklärt worden.) Um die Schrift habe ich mir keine Gedanken gemacht, obwohl ich mich hauptberuflich häufig mit der Suche nach einer passenden Font auseinandersetzen muss.

 

Der erste Covervorschlag kam in zwei Farbvarianten daher.

Wie soll ich sagen? Hätte man mich vorher gefragt, welche Farben für mich nicht in Frage kommen, hätte ich genau die beiden genannt.

Das war aber noch gar nicht das Schlimmste. Die Grafiken im Hintergrund sahen aus wie die Anleitung für einen Weihnachtspunsch. Nun kommt Weihnachten zwar in meinem Buch vor, spielt aber absolut keine wesentliche Rolle. Das Gesamtkonzept des Covers war ja süß, aber die Ausführung im Detail?

 

Um ehrlich zu sein, war mir im ersten Moment ziemlich zum Heulen zumute. Vor allem, weil ich keine Ahnung hatte, ob und wie viel Einspruchsrecht ich überhaupt habe. Das war genau die Situation, vor der ich mich gefürchtet hatte.

 

Okay, was tun? Erst einmal durchatmen, ruhig bleiben, E-Mail schreiben, die Kritik darin konstruktiv ausformulieren. ("Das ist so schiach", kommt vermutlich nicht so gut an.)

Am Ende habe ich zwei E-Mails geschrieben und dazwischen intensiv in einer Bilddatenbank recherchiert. (Es muss doch Motive geben, die besser zu meiner Geschichte passen.)

Nach meiner zweiten Nachricht kam die erlösende Antwort: Ich darf Motive aussuchen und das mit den Farben bekommen wir auch noch hin.

 

Heute kam wieder Post vom Verlag und sie begann mit "Leider konnten wir nicht …". Ich stellte mich also schon mal auf das Schlimmste ein.

Zum Glück bezog sich die Einleitung nur auf die Motive, da konnten nicht alle getauscht werden. Aber mein erster Eindruck war: Die Farben sind schön.

Okay, ganz genau hinschauen.

Welche Bilder sind noch da, welche weg?

Welche haben sie dazu genommen?

 

Ich weiß nicht, ob es jedem so geht, aber ich brauche immer eine Weile, um mich von meiner Idealvorstellung zu verabschieden. Leider bin ich ganz schrecklich perfektionistisch. Das ist oft eine gute Eigenschaft. Und manchmal steht man sich damit einfach selber im Weg.

Ungefähr zwei Stunden habe ich mit meinem Perfektionismus gehadert und mich mit meiner Familie besprochen. (Zwei Stunden ist eigentlich gar nicht so lang.)

 

Die wichtigste Erkenntnis war die: Es ist nur das Drumherum.

Mein Job ist es doch eigentlich nur, den Text zu schreiben, und bei dem musste ich fast keine Kompromisse eingehen. (Jedenfalls keine schmerzlichen.) Da kann ich doch beim Cover ein Auge zudrücken und den Vorschlag akzeptieren, auch wenn ich nicht zu 100% glücklich damit bin. Und eigentlich ist es ja ganz hübsch. Die Grundidee hat mir von Anfang an gefallen. Wenn ich das Buch in einer Buchhandlung sehen würde, würde ich hingreifen und den Klappentext lesen, und ich würde mir genau so eine Art von Geschichte vorstellen, wie es enthält.

Also passt es doch, oder?

Und am Ende soll ja nicht das Cover die Leser begeistern, sondern der Inhalt. (Aber eine schöne Aufmachung schadet trotzdem nicht.)

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© Pia Christina Prenner 2020