Klavierspielen

Das Klavierspielen spielt in "Zimtschneckenjahre" eine wichtige Rolle. Es ist Bens große Leidenschaft, bereits im zarten Alter von 4 Jahren hat er seine Liebe dazu entdeckt. Ein Leben ohne Musik im Allgemeinen und das Klavier im Besonderen ist für ihn unvorstellbar. Das weiß auch Lea und sie hat sich in der Vergangenheit damit abgefunden, nur die zweite Geige zu spielen.

 

»Ben, du und dein Klavier, das war für mich immer etwas Besonderes. Wenn du gespielt hast, hat sich das für mich magisch angefühlt. Dir zuzuhören, das war wie ein Einblick in eine Beziehung mit einer Geliebten, die mir aber nichts anhaben konnte. Eine Dreiecksbeziehung ohne Komplikationen … solange ich meine Finger davon gelassen habe. Verstehst du das? Irgendwie?«

Endlich verschwand der verständnislose Ausdruck aus Bens Gesicht. Dass er mit der Musik eine Liebesbeziehung führte, die schon in seiner Kindheit begonnen hatte, wusste er selbst am allerbesten.

Er nickte langsam. »Ja, aus diesem Blickwinkel verstehe ich es. Einigermaßen.«

»Es hat nichts damit zu tun, dass ich dir nicht vertraut hätte«, betonte Lea trotzdem. »Mir war nur immer klar, dass die größte Liebe deines Lebens die Musik ist und dass ich diesen Teil von dir besser zuhörend genieße, als mich in irgendeiner Form einzumischen oder zu versuchen, mit ihr zu konkurrieren.«

 

Wenn Ben anfängt, über das Klavierspielen zu reden, ist er schwer zu bremsen. Obwohl sein eigenes Klavierspiel nahezu perfekt ist, behauptet er, dass Perfektionismus nicht wichtig für die Musik ist, und bezieht sich dabei auf Beethoven, der gesagt haben soll: "Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig, aber ohne Leidenschaft zu spielen, ist unverzeihlich!"

Für Lea ist diese Leidenschaft bei Ben sogar deutlich spürbar, wenn er nur versucht, sie dazu zu überreden, sich an seinen Flügel zu setzen.

 

Die Sätze, die Ben dabei in den Mund nimmt, habe ich teilweise im richtigen Leben zu hören bekommen – von meiner Klavierlehrerin.

Es war eigentlich Zufall, dass ich zeitgleich mit dem Beginn der Arbeit an dem Roman begonnen habe, selber Klavierstunden zu nehmen. Dazu angemeldet hatte ich mich schon, bevor ich den Entschluss gefasst habe, wieder mit dem Schreiben anzufangen.

Aber es war ein guter Zufall, denn es ist leichter über etwas zu schreiben, wenn man es selber ausprobiert hat.

 

Seien wir ehrlich: Ich bin im Klavierspielen nicht sonderlich talentiert. Also ich bewege mich ungefähr auf Leas Niveau, die nach fünf Jahren Unterricht von sich sagt, dass sie genau einen Song auswendig spielen kann.

Trotzdem ist das Klavierspielen zu einem wichtigen Faktor in meinem Leben geworden. Es fordert mich und entspannt mich gleichzeitig, es schenkt mir eine kleine Auszeit vom turbulenten Alltag. Insofern kann ich Bens Leidenschaft für das Instrument sehr gut nachfühlen.

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© Pia Christina Prenner 2020