Total unspektakulär

Gestern ist mein neuestes Werk als eBook erschienen. Und obwohl ich vorab durchaus auf Erscheinungstage hin fiebere, verlaufen sie dann doch immer total unspektakulär.

 

Als "Zimtschneckenjahre" vor etwas mehr als einem halben Jahr erschienen ist, hatte ich damit ja nicht viel Arbeit, deshalb hatte ich Zeit, mir zu überlegen, was ich an dem Tag Besonderes machen könnte. Ich habe über eine Lesung nachgedacht oder zumindest irgendeine Buchvorstellung oder einfach daran, Zimtschnecken zu backen und mit meinen Freundinnen auf die Erscheinung anzustoßen. Ich glaube, ich habe am Ende nichts davon gemacht.

 

Diesmal hatte ich nichts davon geplant, ich hatte nämlich nicht einmal die Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Denn als Selfpublisherin war ich buchstäblich bis zur letzten Sekunde damit beschäftigt, das Manuskript rechtzeitig fertig zu bekommen und hochzuladen. Das letzte Korrekturlesen wurde durch unerwartete Ereignisse erschwert und generell war ich in den letzten Tagen eher gestresst und nicht gerade in Feierstimmung.

 

Das klingt jetzt vielleicht, als würde ich mit dem Selfpublishen hadern, aber das stimmt gar nicht. Insgesamt habe ich den Prozess sehr genossen. Cover und Korrektur habe ich ja ausgelagert, weil ich für Ersteres grafisch nicht talentiert genug bin und die Last von Letzterem nicht alleine auf meinen Schultern tragen wollte. Ja, ich habe das Buch nach der Korrektur noch einmal komplett durchgelesen. Aber das war einfach ein letzter Check. Claudia Heinen hat gute Arbeit geleistet. Vielleicht haben wir beide etwas übersehen, damit könnte ich aber leben. Irren ist menschlich. Und beim Cover vertraue ich ganz auf Laura Newman. Beim 3. Band war zwar ein bisschen der Wurm drin, mit dem Ergebnis sind wir trotzdem zufrieden. (Das Cover werde ich in ein paar Tagen herzeigen. Jetzt lasse ich einmal Band 2 die Poleposition, auch wenn Band 3 ganz bald folgen soll.)

 

Was ich eigentlich sagen wollte: Der Erscheinungstag eines Buches ist anders als bei einer Geburt gar nicht mal so spektakulär. Es ist höchstens ein Startschuss, ein Anfang, ein Öffnen einer Tür, durch die die Geschichte hinaus in die Welt treten kann. Was dann da draußen passiert, das kann vorab keiner sagen. Vielleicht kommt sie gar nicht weit, weil sie keiner lesen will. Vielleicht bewegt sie sich rasend schnell von einem Menschen zum nächsten. Vielleicht aber auch langsam und gemächlich.

 

Was ich am Selfpublishing gerade am meisten genieße: Ich habe keinen Erfolgsdruck. Beim Verlag hatte ich das Gefühl, die Verkaufszahlen ständig im Auge behalten zu müssen und dafür zu sorgen, dass sie richtig gut sind – oder jedenfalls gut genug, dass der Verlag auch den Rest der Serie veröffentlichen will. Jetzt, sieben Monate später, sind die Zahlen von "Zimtschneckenjahre" für mich eigentlich okay. Hey, ich weiß, dass mehrere gekaufte Bücher nicht nur von der Käuferin selbst, sondern auch von Mutter, Schwester, Tante etc. gelesen wurden, das heißt, ich habe eigentlich noch mehr Leserinnen erreicht, als Bücher verkauft. Mir reicht das. Und egal, wie die Verkäufe von "Nenn mich nicht immer Lovely Lou!" laufen – ob es ein Erfolg ist oder nicht, das entscheide nur ich, weil ich alleine definiere, was ein Erfolg ist.

Ich hatte nie das Ziel, einen Bestseller zu landen, sondern nur meine Leserinnen gut zu unterhalten. Das mag als Zieldefinition nicht sehr wirtschaftlich sein und auch nicht sonderlich spektakulär. Aber es fühlt sich gut an.

 

Ps: Übrigens waren mein Mann und mein jüngerer Sohn am Erscheinungstag gemeinsam einkaufen und haben zur Feier des Tages Schokolade für mich mitgebracht. Eine süße Aufmerksamkeit, über die ich mich sehr gefreut habe.

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© Pia Christina Prenner 2020